{"id":1039,"date":"2016-03-18T17:41:11","date_gmt":"2016-03-18T17:41:11","guid":{"rendered":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/?page_id=1039"},"modified":"2016-03-18T17:42:17","modified_gmt":"2016-03-18T17:42:17","slug":"kindheitserinnerungen-marianne-schroeder","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/geschichten\/erinnerungen-ii\/kindheitserinnerungen-marianne-schroeder\/","title":{"rendered":"Kindheitserinnerungen (Marianne Schr\u00f6der)"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 18pt;\"><strong>Das Ende des 2. Weltkrieges und die Nachkriegszeit<\/strong><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1040\" src=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Kindheitserinnerungen-M.Schr\u00f6der-216x300.jpg\" alt=\"Kindheitserinnerungen M.Schr\u00f6der\" width=\"112\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Kindheitserinnerungen-M.Schr\u00f6der-216x300.jpg 216w, https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Kindheitserinnerungen-M.Schr\u00f6der-320x445.jpg 320w, https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Kindheitserinnerungen-M.Schr\u00f6der.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 112px) 100vw, 112px\" \/><em> von Marianne Schr\u00f6der, geb. Wichern (1939 in Deepen 5)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Meine Erinnerungen an die Kriegsjahre gehen in den Sommer 1943 zur\u00fcck. Ich war bei Miesners Oma (Anm.: Deepen 3). Ein Soldat kam mit einem Fahrrad. Es war Papa! Er nahm mich mit. Wir fuhren direkt ins Keenmoor, wo die Gro\u00dfeltern, Mama und Garbers Mama beim Heuaufladen waren. Ein anderes Mal, es war im Januar 1944, ging ich abends auf die Diele. Da stand ein Mann mit langem Mantel. Papa! Am 19. Januar feierten Oma und Opa Silberhochzeit. Papa war so von den Kriegserlebnissen geschockt, dass er nicht tanzen und feiern konnte. Am 12 Januar 1945 fiel er bei Wesel am Niederrhein.<br \/>\nIn den Kriegsjahren arbeiteten zwei Gefangene aus Frankreich auf unserem Hof. An Ferni (Ferdinand Michau) kann ich mich noch gut erinnern. Wenn die Gefangenen aus Deepen abends mit der Arbeit fertig waren, trafen sie sich bei uns und gingen oder fuhren gemeinsam nach Ostervesede zu Leuenroths Gastst\u00e4tte, wo sie nachts auf dem Saal schliefen.<br \/>\nEigentlich durften die Gefangenen nicht mit uns gemeinsam am Tisch essen. Wir hatten daher f\u00fcr alle F\u00e4lle einen zweiten Tisch. Ferni aber a\u00df mit bei uns am Tisch. 1986 kam er noch einmal zu Besuch. Wir konnten uns nur nicht recht unterhalten, er verstand kein Deutsch mehr. Nur \u00fcber seinen Neffen, der mit hier war, ging das etwas.<br \/>\nOft gab es nachts Fliegerangriffe. Dann sa\u00dfen wir in der K\u00fcche im Dunkeln oder nur bei Kerzenlicht; die Verdunkelungen wurden ganz dicht gemacht. Bei den Bombenangriffen auf Hamburg und Bremen war der Himmel ganz hell und rot. Bei uns wohnte Oma Rienus aus Bremen, deren Wohnung zerst\u00f6rt worden war. Die Tiefflieger kamen auch am Tag immer \u00f6fter. Als wir um den 15. April 1945 die Rinder auf die Weide brachten, flogen sie auch \u00fcber uns hinweg. Wir suchten schnell im Graben Deckung. Die Rinder blieben ganz still stehen.<br \/>\nAlle H\u00f6fe in Klein Deepen waren mit deutschen Soldaten belegt. Unter dem Schirm unseres Torfschupppens hatten sie eine Feldk\u00fcche aufgebaut; von hier holten sie sich ihr Essen. Einige von ihnen fragten genau nach, wo vielleicht noch andere Soldaten waren und was so alles passierte. Unter ihnen war ein Spion, der nach L\u00fcnzen zu den Engl\u00e4ndern fuhr und die deutschen Soldaten verriet. Beim Einzug der englischen Panzer soll er ganz vorn auf dem Panzer gesessen haben. Die Soldaten, die hier bei uns einquartiert waren, waren zum Teil sehr jung und r\u00fcckten bald wieder ab. Hinter Schee\u00dfel, bei Westersch, wurden sie von den Engl\u00e4ndern eingeholt.<br \/>\nIm Winter 1944\/45 kamen lange Fl\u00fcchtlingstrecks durch Deepen. Nachts schliefen viele von ihnen auch bei uns in der Diele auf Stroh. Im Februar 1945 wurden wir aufgefordert, eine Familie aus der Osterveseder Schule bei uns aufzunehmen. Opa und ich holten Else Ebert und ihre drei T\u00f6chter mit dem Ackerwagen ab. Hildegard war acht, Gisela vier und Ingrid zwei Jahre alt. Ich erinnere mich noch, dass ich eine Familie mit vielen Kindern wollte, da ich doch keine Geschwister hatte. Die Kinder waren alle erk\u00e4ltet. Ingrid hatte eine Lungenentz\u00fcndung. Bis unser Wohnhaus im April 1945 abgebrannt ist, haben Eberts bei uns gewohnt. Dann zogen sie zu Behrens Nr. 12.<br \/>\nVor dem Einr\u00fccken der Engl\u00e4nder haben unsere Einwohner wei\u00dfe T\u00fccher und Laken in die B\u00e4ume geh\u00e4ngt als Zeichen, dass hier keine deutschen Soldaten waren. Am 18. April 1945 r\u00fcckten die Engl\u00e4nder mit Panzern in Deepen ein. Unsere Familie war gerade beim Kartoffelsortieren. Wir Kinder spielten auf dem Hof und h\u00f6rten das ununterbrochene Schie\u00dfen. Wir konnten sehen, wie das Dach von Petersens unbewohntem H\u00e4uslingshaus zu brennen anfing. Ferni brachte die Pferde in den Stall und fuhr mit einem Fahrrad nach Ostervesede ins Gefangenenlager.<br \/>\nIm Keller standen Koffer und Kisten mit Zeug und Geschirr. Einige Blechk\u00e4sten und eine Holztruhe hatten wir im H\u00fchnerstall eingegraben. Das Schie\u00dfen kam n\u00e4her. Die heranfahrenden Panzer waren jetzt deutlicher zu h\u00f6ren. Sie kamen aus s\u00fcd\u00f6stlicher Richtung. Wir, das waren meine Gro\u00dfeltern, Mama und ich sowie Frau Ebert mit ihren drei T\u00f6chtern, haben in unserem Kartoffelkeller im Schweinestall Schutz vor dem feindlichen Angriff der englischen Panzer gesucht. Aus dem Kellerfenster sahen wir, dass die Panzer nun auch schon in n\u00f6rdlicher Richtung hinter uns waren. Mama machte vorsichtig die Kellerklappe hoch und wollte nach drau\u00dfen sehen. Im selben Moment wurde sofort auf die sich bewegende T\u00fcr geschossen &#8211; nur knapp an Mamas Kopf vorbei. Pl\u00f6tzlich sehen wir, dass unter den Dachpfannen unseres Hauses Rauch qualmte. Opa und Oma liefen in den Kuhstall und wollten die K\u00fche losbinden. Zwei haben sie losgekriegt. Eine schaffte es noch, die andere lief weiter in den Stall. Eine weitere Kuh konnte sich losrei\u00dfen und kam auch nach drau\u00dfen. Sie hatte eine gro\u00dfe Brandstelle auf dem R\u00fccken, die noch Jahre danach zu sehen war. F\u00fcnf K\u00fche und zwei Pferde verbrannten. Vor den Pferdest\u00e4llen war eine Brandbombe heruntergekommen, so dass die T\u00fcr nicht mehr ge\u00f6ffnet werden konnte. Die Pferdegeschirre und die Fahrr\u00e4der sind alle verbrannt. Nur das Rad von Ferni, mit dem er nach Ostervesede gefahren war, blieb uns erhalten.<br \/>\nDurch alle die Ersch\u00fctterungen drohte eine Zimmerdecke unseres Hauses einzust\u00fcrzen. Wir holten daher alle M\u00f6bel und das Geschirr nach drau\u00dfen in den Garten, in dem die Zwetschgenb\u00e4ume in voller Bl\u00fcte standen. Schr\u00e4nke, Tische und St\u00fchle standen nun unter freiem Himmel. Auf dem Stubenschrank befand sich noch eine Kaffeekanne, die ein Soldat als Zielscheibe benutzte und zerdepperte. Am n\u00e4chsten Morgen st\u00fcrzte die Decke tats\u00e4chlich ein. Fenster und T\u00fcren konnten noch vor den Flammen gerettet werden.<br \/>\nIch kann mich gut erinnern, dass ich Oma gegen Abend mithalf, unseren Opa zu suchen. Jemand hatte gesehen, dass er mit einem Strick in den Wald ging. Oma rief, aber wir fanden ihn nicht. Am n\u00e4chsten Morgen kam er wieder nach Hause. Er hatte sich im Moor versteckt.<br \/>\nUnser H\u00e4uslingshaus, das hinter dem Wald stand und von Familie Garbers bewohnt war, brannte auch noch ab. In dem Torfschuppen qualmte es, als Oma und ich vorbeikamen. Oma holte Wasser. Als sie es auf den Qualm go\u00df, schlug eine gro\u00dfe Flamme hoch und der ganze Schuppen stand in Flammen. Das Feuer erfasste auch das strohgedeckte Wohnhaus und brannte es v\u00f6llig nieder. Auch die Schweine verbrannten.<br \/>\nEine Kuh wurde noch angeschossen. In die Giebelwand von Weselohs und Behrens Haus waren unz\u00e4hlige L\u00f6cher geschossen worden.<br \/>\nInsgesamt brannten in Klein Deepen neun Geb\u00e4ude ab und einige in Gro\u00df Deepen. Da unser Wohnhaus 1914 massiv gebaut worden war, blieben die Au\u00dfenw\u00e4nde stehen. Das Wohnhaus unseres H\u00e4uslingshauses Nr. 5 a wurden mit Nebengeb\u00e4ude vollig zerst\u00f6rt. Bei Neeper Nr. 4 wurde die Holzscheune ein Raub der Flammen, bei Miesners Nr. 3 brannten das Wohnhaus und die Holzscheune total nieder; bei Tampen Nr. 9 brannten das Wohnhaus mit Stall sowie die Scheune und ein Schuppen v\u00f6llig ab. K\u00fche und Pferde darin verbrannten auch. Die verbrannten Tiere wurden im Keenmoor auf dem Grundst\u00fcck von Wichern und Tampen eigekuhlt.<br \/>\nEs galt jetzt f\u00fcr uns, eine Unterkunft zu finden. Mama und ich konnten bei Neepers schlafen; Oma und Opa schliefen in der H\u00e4ckselkammer der Scheune. Unsere K\u00fcche richteten wir in der Futterk\u00fcche unseres Schweinestalls ein. Langsam wurde mit dem Aufr\u00e4umen und dem Wiederaufbau begonnen. Das Baumaterial musste auf Umwegen beschafft werden. Gegen Wurst,Speck und Lebensmittel konnten N\u00e4gel, Zement und anderes getauscht werden. Das Bauholz f\u00fcr den Dachstuhl schlugen Zimmerleute aus Lauenbr\u00fcck bei uns im Wald, s\u00e4gten es auf dem Hof und verarbeiteten es dann. Die halbe Dachfl\u00e4che unseres Wohnhauses konnten wir zun\u00e4chst nur mit Dachpfannen aus Zement eindecken, da so viele Pfannen nicht zu bekommen waren. Die andere H\u00e4lfte wurde mit Stroh gedeckt. Weihnachten 1946 sind wir wieder in unser Haus eingezogen.In der Zeit nach dem Krieg kamen viele Menschen aus den St\u00e4dten auf die D\u00f6rfer, um Kartoffeln und andere Lebensmittel zu hamstern oder einzutauschen. Ich kam auf diese Weise zu meiner ersten Federmappe mit vielen Farbstiften. Die Z\u00fcge, die aus Bremen und Hamburg kamen oder dorthin zur\u00fcckfuhren, waren immer voll besetzt. Alle Fahrg\u00e4ste hatten Taschen und Rucks\u00e4cke bei sich, die sie voll mit Lebensmitteln nach Hause brachten. Einige Hamsterer kamen regelm\u00e4\u00dfig und freuten sich dann \u00fcber eine warme Milchsuppe, Bratkartoffeln oder eine Speckschwarte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(<em>ver\u00f6ffentlicht in \u201eOstervees in ole un nee&#8217;e Tieden\u201c, Ortsrat Ostervesede 2006)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ende des 2. Weltkrieges und die Nachkriegszeit von Marianne Schr\u00f6der, geb. Wichern (1939 in Deepen 5) Meine Erinnerungen an die Kriegsjahre gehen in den Sommer 1943 zur\u00fcck. Ich war bei Miesners Oma (Anm.: Deepen 3). Ein Soldat kam mit einem Fahrrad. Es war Papa! Er nahm mich mit. 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