{"id":1504,"date":"2016-03-15T11:23:27","date_gmt":"2016-03-15T11:23:27","guid":{"rendered":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/?page_id=1504"},"modified":"2016-03-15T11:23:27","modified_gmt":"2016-03-15T11:23:27","slug":"gaense-marga-rathjen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/geschichten\/erinnerungen-ii\/gaense-marga-rathjen\/","title":{"rendered":"G\u00e4nse &#8211; Marga Rathjen"},"content":{"rendered":"<p>In meiner Kindheit hatten wir auf unserem Hof immer eine kleine Herde von G\u00e4nsen. Mein Opa war sehr angetan von jeglichem Federvieh; dazu geh\u00f6rten nat\u00fcrlich auch die H\u00fchner und seine Tauben. Diese hatten vorne auf der Diele oben an den ersten Balken, wo ein paar Holzk\u00e4sten angebracht waren, ihre Nester.<\/p>\n<p>Mein opa liebte die Natur, pflanzte B\u00e4ume und Str\u00e4ucher, hatte einen Bienenstand in Hofn\u00e4he an der Stra\u00dfe gegen\u00fcber. Dort waren dann auch die Obstb\u00e4ume, sowie Blumen und etwas Grasland. Die Scheune von nebenan steht heute noch da. Ja, was noch an dem Hofraum fehlte, war nach hinten einWiesenhof mit Gras f\u00fcr das Kleinvieh. So kamen wir notgedrungen zu einer G\u00e4nseweide. Sie lag an der Schee\u00dfeler Stra\u00dfe, \u00d6llerks Haus gegen\u00fcber. Ich wei\u00df auch nicht, wie lange das so war. Jedenfalls wuchs das Gras dort ganz gut. Seitw\u00e4rts war noch ein Sandweg, und daneben der Keil war unser Acker. Die kleine Wiese hatte am anderen Ende auch eine Pforte, wodurch man kommen und den G\u00e4nsen Wasser geben konnte. Nebenan war von fr\u00fcher her eine gegrabene Kuhle, etwa gut einen Meter breit und paar Meter in der L\u00e4nge. Die Kante war fest und es gab vorne ein oder zwei Stufen. Da unten drin war wunderbares Trinkwasser. Es handelte sich scheinbar um eine richtige Quelle. So wurde mit einem Eimer das Getr\u00e4nk f\u00fcr das Federvieh herausgesch\u00f6pft und in die Weise gebracht. Als auf dem nahen Friedhof mal das Wasser knapp war, wei\u00df man noch, dass die Leute auch dort sich zu helfen wussten.<\/p>\n<p>Es kam \u00fcbrigens der Spruch auf: wer G\u00e4nse halten will, der muss auch Wurzeln haben. So wurden auf dem Keil ein halbes St\u00fcck gelbe Wurzeln ges\u00e4t. Sie wuchsen dort gut, aber wenn sie aufgelaufen waren, stand alles voll Meldenkohl. Dann hier es Auskrauten in Handarbeit. So wurde auf den Knien mit allen verf\u00fcgbaren Familienmitgliedern das Feld abgekrochen, bis alles sauber war. Nach etwas Regen konnten die gebliebenen dann wachsen. Im Herbst waren es dann meistens ein gutes Fder geworden. Die kamen beim Haus in eine kleine MIete. Damit konnten die G\u00e4nse anschlie\u00dfend gef\u00fcttert werden. Ich wei\u00df noch, wie mein Opa so schmale Schnitzel davon machte und sie dem Federvieh schnabelgerecht anbot. Was es sonst noch dazu gab, kann ich nicht sagen, wahrscheinlich K\u00f6rner oder Schrot.<\/p>\n<p>Das Weihnachtsfest nahte und ein paar Tage davor wurden die Tiere geschlachtet. Da war dann das Rupfen der Federn angesagt. In unserer gro\u00dfen K\u00fcche ging das vonstatten. Die Runde der Frauen war meistens noch durch eine Bekannte erweitert. Fr\u00fcher war es wohl R\u00f6hrs Oma und sp\u00e4ter Tante Emma aus Ostervesede. An einem Tag mit viel Kl\u00f6nschnack und Humor war alles geschafft. Opa hatte zuvor in der Waschk\u00fcche das Schlachten der lieben Tiere gemacht. Die Federn, die in Zinkkannen gesammelt waren, wurden in Leinens\u00e4cke gestopft und auf dem Speicherboden gebracht. Ein paar Sachen konnten noch gnaz gut gebraucht werden wie zum Beispiel von den gro\u00dfen G\u00e4nsen die Fl\u00fcgel. Das waren die Flunken, so eine Art Handfeger. Von den dicken Enden dieser Federn gab es die Posen, die \u00fcber die zu klein gewordenen Griffel oder Bleistifte gesteckt wurden.<\/p>\n<p>Mit den gerupften und ges\u00e4uberten G\u00e4nsen konnte man zu der Zeit, als noch Krieg war, etwas bekommen, was sozusagen als knapp galt. Zu Weihnachten vor meiner Konfirmation habe ich von Uhrmacher Volkmer eine Armbanduhr bekommen und von Kaufmann Kruse einen Mantel. &#8211; Die anderen G\u00e4nse hatten auch Abnehmer gefunden und f\u00fcr sich selbst gab es einen ehrlich verdienten Braten zum Fest.<\/p>\n<p>Wo die kleinen G\u00e4nsek\u00fcken herkamen? Wahrscheinlich Eier gekauft und von den Glucken der H\u00fchner ausgebr\u00fctet. Die kleinen G\u00e4nse bekamen zuerst gebr\u00f6ckeltes Schwarzbrot vorgesetzt. Sp\u00e4ter bekamen sie auch kurzgeschnitteten Hafer, der einige Wochen zuvor im Garten ges\u00e4t worden war. Im Grashof kam dann, wenn es w\u00e4rmer wurde, ein niedriger Maschendrahtzaun um einen Platz herum. So lernten sie das Pieken von Gr\u00fcnzeug. Niedlich waren die Kleinen allemal. Die Kinder, die bei uns kamen, hatten ihren Spa\u00df daran.<\/p>\n<p>Anfang des Sommers mussten wir in der Schule einen Aufsatz nach freier Wahl schreiben. Mein Thema war: Wie unsere G\u00f6ssel weggelaufen waren. Von meinem Lehrer erhielt ich eine deftige R\u00fcge: das hei\u00dft doch nicht \u00bbG\u00f6ssel\u00ab, das sind G\u00e4nsek\u00fccken. &#8211; Ich schwieg, denn er musste es ja wissen.<\/p>\n<p>Das Treiben der G\u00e4nse war eine Wissenschaft f\u00fcr sich. Man hattenicht hinter den Viechern, sondern vor ihnen zu gehen mit einer leichten d\u00fcnnen Rute &#8211; m\u00f6glichst langsam.<br \/>\nUnser Lockruf waren die Worte: &#8222;Lidl-lidl&#8220; &#8211; sonst immer ruhig und nicht laufen. Des Sonntags, wenn die Leute zur Kirche fuhren, warten bis 10.00 Uhr. Wann es wieder nach Hause ging, wei\u00df ich nicht mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner Kindheit hatten wir auf unserem Hof immer eine kleine Herde von G\u00e4nsen. Mein Opa war sehr angetan von jeglichem Federvieh; dazu geh\u00f6rten nat\u00fcrlich auch die H\u00fchner und seine Tauben. Diese hatten vorne auf der Diele oben an den ersten Balken, wo ein paar Holzk\u00e4sten angebracht waren, ihre Nester. 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