{"id":161,"date":"2016-02-03T12:28:33","date_gmt":"2016-02-03T12:28:33","guid":{"rendered":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/?page_id=161"},"modified":"2025-05-13T07:59:17","modified_gmt":"2025-05-13T05:59:17","slug":"historisches-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/historisches\/historisches-2\/","title":{"rendered":"Die Geschichte unseres Dorfes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Geschichte unseres Dorfes<\/strong><\/p>\n<p>aus: \u00bb Westervesede stellt sich vor\u00ab ( 1986)<\/p>\n<p>Wie Bodenfunde bezeugen, liegt die Ortschaft Westervesede auf einem uralten Siedlungsgebiet. So stammt z.B. das durch Kultivierungsarbeiten zerst\u00f6rte H\u00fcnengr\u00e4berfeld im &#8222;Twervie&#8220; und beim &#8222;Kleinen Loh&#8220; aus der Zeit etwa 2500 bis 1500 v. Chr.\u00a0 Auch das etwa 1850 beim Anlegen eines Weges zwischen Westervesede und der M\u00fchle zutage gekommene Urnenfeld &#8211; es sollen Hunderte von Urnen gewesen sein &#8211; deutet auf eine Ansiedlung vor bzw. kurz nach Chr. hin. Daraus l\u00e4sst sich aber nicht eindeutig schlie\u00dfen, dass dies auch die Gr\u00fcndung des Ortes Westervesede war. Aufgrund der zunehmenden Zentralisierung von Wohnst\u00e4\u00fctten d\u00fcrfte die eigentliche Dorfgr\u00fcndung erst in den ersten Jahrhunderten n. Chr. erfolgt sein. Genauere Jahreszahlen gibt es hierf\u00fcr jedoch nicht.<\/p>\n<p>Die erste namentliche Erw\u00e4hnung des Ortes Westervesede erfolgte in der \u00e4ltesten Verdener Bischoffsurkunde aus dem Jahre 1082. Obwohl von dem vermeintlichen Namen Westervesede nur Bruchst\u00fccke vorliegen, d\u00fcrfte der Ort Westervesede gemeint sein.<\/p>\n<p>In einer Verdener Urkunde von 1219 wird dann sp\u00e4ter ein Conradi de Vesethe bzw. 1226 ein Conradi de Vesede und 1267 ein Hermannus de Vesede erw\u00e4hnt. Bei den vorgenannten handelt es sich wahrscheinlich um Dienstmannen, die durch die Verdener Bisch\u00f6ffe mit der Bewachung der Burg in Rotenburg beauftragt wurden, denn dort hatten die Verdener Bisch\u00f6ffe zu Beginn des 13. Jahrhunderts ihren Sitz genommen. Die Dienstmann wurden auf Bauernh\u00f6fen in der n\u00e4heren Umgebung angesiedelt. Dabei ist anzunehmen, dass sie einen Hof des Bischoff zu Lehen gehabt haben. Wie damals \u00fcblich, haben sie sich danach mit ihrem Vornamen und dem Zusatz &#8222;von Vesede&#8220; benannt. Das Geschlecht scheint jedoch um 1300 ausgestorben zu sein.<\/p>\n<p>Der Ort &#8222;Vesede&#8220; war vermutlich urspr\u00fcnglich eine Einheit, die sich jedoch im 13.\/14. Jahrhundert in zwei Teile auseinander entwickelte und in Westervesede und Ostervesede zerfiel. Erstmalig tauchen die Bezeichnungen Westeruesede und Osteruesede in einem G\u00fcterverzeichnis der Verdener Kirche um 1320 auf.<\/p>\n<p>Der Ortsname &#8222;Vesede&#8220; ist nicht eindeutig zu erkl\u00e4ren. Dem Grundwort &#8222;sede&#8220; gibt die Ortsnamenforschung die Deutung &#8222;Siedlung&#8220;. Das Bestimmungswort &#8222;ve&#8220; kann sinngem\u00e4\u00df nicht mit dem mittelniederdeutschen &#8222;Ve&#8220; = Vieh, sondern vielmehr mit dem sehr h\u00e4ufigen Flurnamen &#8222;vi&#8220; = Niederung, Bruch zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Die urspr\u00fcngliche Anlage des Dorfes l\u00e4sst erkennen, dass sich die ersten 11 H\u00f6fe planm\u00e4\u00dfig am Bach entlang angesiedelt haben. Jeder Hofplatz hatte seine bestimmte Breite, so dass die H\u00e4user weit voneinander entfernt lagen. Hinter dem Haus befand sich etwas Gartenland, dann folgten der &#8222;Wischhof&#8220; und das flie\u00dfende Wasser. Vor den H\u00e4usern f\u00fchrte die Stra\u00dfe entlang und auf der anderen Seite der Stra\u00dfe befand sich auf dem leicht ansteigenden Gel\u00e4nde das trockene Land, die Ackerflur.<\/p>\n<p><em>Die alte Hofstelle Nr. 42 &#8211; R\u00f6then<\/em><\/p>\n<p>An Geb\u00e4uden waren meist das Haus, ein Torfschuppen und ein Wagenschuppen sowie ein Backofen hinter dem Haus vorhanden. Bei dem Haus handelte es sich um ein Fachwerkhaus mit reetgedecktem Dach. Durch die gro0e Dielent\u00fcr gelangte man in den Vorderteil, wo das Vieh untergebracht war. Am Ende der Diele schloss sich das Flett an, wo gekocht und gegessen wurde. Hier sa\u00dfen auch die Frauen, wenn sie beim Spinnen der Wolle oder des Hanf- und Flachsgarnes waren. Da man am Abend auf den Schein des Feuers oder der Lampen angewiesen war, spielte sich hier der gr\u00f6\u00dfte Teil des h\u00e4uslichen Geschehens ab.<\/p>\n<p>Die erste Nachricht \u00fcber Besitzverh\u00e4ltnisse liegt von 1550 vor. Bereits im 15. Jahrhundert versuchte man, die Wirtschaftform zu verbessern, Es wurde darauf geachtet, dass Holzungen nicht verschlagen wurden. Alle Abholzungen waren genehmigung\u00adspflichtig; und Aufforstungen wurden verpflichtend.<\/p>\n<p>Eine einschneidende Ma\u00dfnahme war jedoch die &#8222;Neugestaltung der H\u00f6fe&#8220;. In Westervesede wurden die meisten H\u00f6fe in zwei Halbh\u00f6fe aufgeteilt. Nur die H\u00f6fe von Ziems, Bahls und Geels wurden davon ausgenommen; sie blieben weiterhin Vollh\u00f6fe. So ergab es sich, dass sich die Zahl de H\u00f6fe von urspr\u00fcnglich eif durch die Teilung im 16.\/17. Jahrhundert auf 19 erh\u00f6hte. Danach gab es in Westervesede noch 3 Vollh\u00f6fe, 14 Halbh\u00f6fe und 2 Pflugk\u00f6tner.<\/p>\n<p>&#8230; (Es folgt eine Auflistung der H\u00f6fe mit Namen. &#8211;&gt; siehe auch H\u00e4user und H\u00f6fe) &#8230;<\/p>\n<p>Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der gr\u00f6\u00dfte Teil der Fl\u00e4chen der Gemarkung Westervesede von allen Bauern gemeinsam bewirtschaftet, und zwar galt dies f\u00fcr die Wiesen, Heide, Moor und den Bruch, aber auch f\u00fcr die W\u00e4lder, in denen die Schweine geh\u00fctet wurden, da dort reichlich Eicheln zur Mast zu finden waren. Lediglich die Ackerfl\u00e4chen, der Wischhof und die Hoffl\u00e4che waren im Besitz der einzelnen Bauern.<\/p>\n<p>Eine entscheidende Ver\u00e4nderung brachte erst die Verkoppelung (heute mit der Flurbereinigung vergleichbar) mit sich. F\u00fcr Westervesede wurde hierzu der Antrag am 16. November 1843 gestllt, woraufhin die gesamten privaten und gemeinschaftlich genutzten Grundst\u00fccke an Acker, Wiesen, Weide, Heide und Moor geteilt und verkoppelt wurden. Ausgenommen war nur das Gemeindeholz, das heute noch als Interessenforst im Gemeinbesitz der 19 \u00e4ltesten Bauernstellen ist. Um bei der Neuverteilung gerecht verfahren zu k\u00f6nnen, wurden die Fl\u00e4chen in G\u00fcteklassen eingeteilt. Dazu wurde als Ma\u00dfstab die &#8222;Kuhweide&#8220; festgesetzt, und zwar war dies die Fl\u00e4che, &#8222;auf der eine Kuh dauernd satt werden konnte&#8220;. Je schlechter daher das Land war, desto gr\u00f6\u00dfer war die Fl\u00e4che.<\/p>\n<p>Erst durch die Verkoppelung und die Abl\u00f6sung der Meiergef\u00e4lle erhielt der Hofbesitzer das uneingeschr\u00e4nkte Verf\u00fcgungsrecht \u00fcber seinen Hof zugebilligt, was auch als gesetzliche Regelung in der &#8222;H\u00f6feordnung von 1874&#8220; festgelegt wurde. Erst jetzt konnte verwirklicht werden, was hunderte von Jahren nicht m\u00f6glich war: die Ansiedlung neuer Hofstellen. Solange der Gemeinbesitz allen geh\u00f6rte, war niemand bereit, davon etwas abzugeben. Jetztkonnte jeder Bauer frei \u00fcber seinen Besitz verf\u00fcgen und Br\u00fcdern, S\u00f6hnen oder anderen Verwandten die M\u00f6glichkeit zur Hofgr\u00fcndung geben oder Land verkaufen. Waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch nur 19 Hofstellen vorhanden, so gab es 1880 bereits 64 Geh\u00f6fte mit Viehhaltung.<\/p>\n<p>Die Verkoppelung hatte aber auch mit sich gebracht, dass jeder nach seinem Gefallen roden, pfl\u00fcgen und ernten konnte und die Fl\u00e4chen somit auch intensiver und rationeller bewirtschaftet werden konnten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ansiedlung weiterer H\u00f6fe, war es notwendig, Moor- und Heidefl\u00e4chen zu kultivieren. Diese wurden mit gro\u00dfen M\u00fchen umgebrochen, entw\u00e4ssert und bes\u00e4t. So verringerte sich die Heidefl\u00e4che in der Gemarkung Westervesede mit jedem Jahrzehnt. Heute sind hier kaum noch Heidefl\u00e4chen vorhanden. Moorfl\u00e4chen gibt es auch heute noch auf dem &#8222;Grevelsmoor&#8220;, wo noch bis Anfang der 1960er Jahre Torf gestochen wurde. Dieser Torf diente zu allen Zeiten f\u00fcr Heizzwecke und war f\u00fcr die Einwohner des Ortes gerade zu Kriegszeiten und in den Jahren danach besonders wertvoll, , denn die damals zugeteilten Raionen an Heizmaterial reichten in den strengen Wintern nicht aus. Der im &#8222;Wittmoor&#8220; gewonnene bot da eine gute Reserve.<\/p>\n<p>Doch nicht f\u00fcr jeden Bewohne des Ortes bestand im 19. Jahrhundert die M\u00f6glichkeit, in der Landwirt\u00adschaft zu arbeiten und Geld zu verdienen, und auch im Bauhandwerk war die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze begrenzt. Gerade auch f\u00fcr kleine H\u00f6fe war es schwierig, \u00fcber die Runden zu kommen, und so versuchten einige M\u00e4nner aus Westervesede das schmale Brot, das der karge Heideboden zu damaliger Zeit hergab , durch Gelegenheitsarbeit (Saisonarbeit) etwas aufzubessern.<\/p>\n<p>Im Sommer zur Heuerntezeit wurde dann die Sense mit Zubeh\u00f6r eingepackt, ein St\u00fcck Brot und Speck in den Rucksack getan und \u00fcber Bremen in Richtung Holland marschiert. Im Raume Dockum, Groningen und Westfriesland wurde f\u00fcr die dorigen Bauern, die wohl bereits eine andere Wirtschaftart kannten, Gras gem\u00e4ht. Es war eine harte Arbeit, die schon einige F\u00e4higkeiten erforderte.<\/p>\n<p>Aus glaubhafter \u00dcberlieferung wird gesagt, dass einige M\u00e4nner auf dem Hinweg in Bremen in einem Kaufhaus einen Beutel Reis (10-20 kg) kauften und diesen an die Familien zur\u00fcckschickten. Dieser Reis soll dann auf dem R\u00fcckweg von dem verdienten Geld bezahlt worden sein. Leider ist nicht \u00fcberliefert, wie die Unterbringung und die Arbeitsverh\u00e4ltnisse in Holland waren.<br \/>\n<em>Hollandg\u00e4nger<\/em><\/p>\n<p>So ist es aus der Zeit unserer Urgro\u00dfeltern \u00fcberliefert, aber die Empfindungen der damaligen Menschen, die sich mit einer heute unvorstellbaren Armut abqu\u00e4len mussten, k\u00f6nnen wohl nicht wiedergegeben werden.<\/p>\n<p>Eine entscheidende \u00c4nderung f\u00fcr Westervesede schien sich anzubahnen, als es im Jahre 1870\/71 um die Planung der Eisenbahnstrecke Bremen &#8211; Hamburg ging. Diese sollte n\u00e4mlich aus der Richtung S\u00fcden \u00fcber Rotenburg, Veerse, Westervesede, Ostervesede und Fintel nach Hamburg f\u00fchren. Dies h\u00e4tte f\u00fcr Westervesede und die verkehrsm\u00e4\u00dfige Anbindung an die beiden Gro\u00dfst\u00e4dte dargestellt, und w\u00e4re die Grundlage f\u00fcr industrielle und gewerbliche Ansiedlung gewesen. Wie es in der \u00dcberlieferung hei\u00dft, sollen bereits die Schneisen f\u00fcr die Bahnstrecke geschlagen gewesen sein, und auch die Steine f\u00fcr den Bau eines Bahnhofes waren bereits gekauft, als die Streckenf\u00fchrung auf Wirken des Grafen Hans-Ludwig Adolf von Bothmer aus Lauenbr\u00fcck noch einmal hin zur jetzigen Linie ge\u00e4ndert wurde. Die gekauften Steine sollen dann sp\u00e4ter f\u00fcr den Bau der Schmiede Riepshoff verwandt worden sein.<\/p>\n<p>So blieb es denn auch in Westervesede bei der durch und durch landwirtschaftlichen Struktur. was aber auch Gutes mit sich brachte, denn so blieben die \u00f6rtlichen Gegebenheiten, die Sitten und Gebr\u00e4uche erhalten.<\/p>\n<p>Bis etwa 1910 wurden z.B. noch die alten Schee\u00dfeler Trachten getragen. Erst nach und nach l\u00f6ste man sich davon; \u00e4ltere Leute haben diese zum Teil sogar noch bis in die drei\u00dfiger Jahre hinein getragen.<\/p>\n<p>Die Frauen trugen als sonnt\u00e4gliche Tracht aus gr\u00fcnem Woll- und Tuchstoff gefertigte R\u00f6cken und Jacken, dazu schwarze Sch\u00fcrzen und buntgemusterte Samtg\u00fcrtel mit einem zweiteiligen G\u00fcrtelschloss. Den Kopf bedeckte eine mit wei\u00dfer oder bunter Seidenstickerei und herabfallenden B\u00e4ndern verzierte Haube, die jedoch nur \u00fcber den Hinterkopf reichte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_938\" aria-describedby=\"caption-attachment-938\" style=\"width: 184px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-938 size-medium\" src=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wv0001-184x300.jpg\" alt=\"Schee\u00dfeler Tracht\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wv0001-184x300.jpg 184w, https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wv0001-273x445.jpg 273w, https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wv0001.jpg 993w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-938\" class=\"wp-caption-text\">Schee\u00dfeler Tracht (Foto: Privat)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nur bei der Hochzeit und zum Abendmahl wurde anstelle der schwarzen Teile eine wei\u00dfe Sch\u00fcrze und Haube sowie ein wei\u00dfes Schultertuch getragen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_940\" aria-describedby=\"caption-attachment-940\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-940 size-medium\" src=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wv0004-190x300.jpg\" alt=\"Schee\u00dfeler Hochzeitstracht\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wv0004-190x300.jpg 190w, https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wv0004-281x445.jpg 281w, https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/wv0004.jpg 1610w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-940\" class=\"wp-caption-text\">Schee\u00dfeler Hochzeitstracht (Foto: privat)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Sonntagstracht der M\u00e4nner bestand aus kurzen Hosen aus Leinen oder Tuch, einer Weste und einer Jacke, die jeweils mit zwei Reihen silberner Kn\u00f6pfe versehen waren. Au\u00dferdem geh\u00f6rte ein buntseidenes Halstuch und ein hoher Zylinderhut (in unserer Gegend auch als Winkelmann bezeichnet) dazu.<\/p>\n<p>Ein besonderes Ereignis in unserem Ort waren von jeher die Verlobungs- und Hochzeitsfeiern, Die Verlobung (\u00bbde L\u00f6ff\u00ab) wurde traditionell im Hause der Brauteltern gefeiert. Dazu wurden fast alle Dorfbewohner eingeladen. Man hatte ja schlie\u00dflich Platz genug auf der Diele, so dass es auf einen mehr oder weniger auch nicht ankam. So kam es denn auch, dass die Verlobung oftmals zu einem richtigen Dorffest wurde, wobei der Brautvater die Zeche zu zahlen hatte.<\/p>\n<p>Wenn dann der Hochzeitstermin herannahte, meistens eine Woche vorher, machte sich auch der \u00bbK\u00f6stenbidder\u00ab auf den Weg. Es wurde der Hut mit bunten Blumen und der Handstock mit bunten B\u00e4ndern geschm\u00fcckt, und so ging der K\u00f6stenbidder\u00a0 meistens war es ein Bruder von Braut oder Br\u00e4utigam &#8211; von Haus zu Haus, k\u00fcndigte mit seinem Spruch die anstehende Hochzeit an und Lud die Leute des Hauses zu diesem Fest ein. Als Dank f\u00fcr die Einladung bekam der K\u00f6stenbidder zu trinken und ein wenig Geld mit auf den Weg. Die Tradition des K\u00f6stenbidders geh\u00f6rt aber nicht der Vergangenheit an, sondern wird auch heute noch in gleicher Weise fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Am Tage vor der Hochzeit wurde dann der &#8222;Kistenwagen&#8220; gefahren. Dies bedeutete, dass die Aussteuer der Braut, die diese vom elterlichen Hof erhielt, zum Br\u00e4utigamshaus gefahren wurde. Dazu geh\u00f6rte ein gef\u00fcllter Kleider- und Linnenschrank, vollst\u00e4ndige Ehebetten, Teller, Spinnsachen usw., wie auch eine Kuh &#8222;n\u00e4chst der besten&#8220;. Auffalend ist, wie oft und genau in Hofchroniken und auch in der Schee\u00dfeler Chronik von Hinrich Meyer der Brautschaft beschrieben ist. Dies l\u00e4\u00dft die Annahme zu, dass in dem Umfang des Brautschatzes auch die Gr\u00f6\u00dfe des Hofes des Bautvaters gemwessen wurde, bzw. der Hof nach dem Umfang des Brautschatzes beurteilt wurde.<\/p>\n<p>Ebenfalls noch vor der Hochzeit galt es, die &#8222;Ehestiftung&#8220; zu errichten, in der aufgef\u00fchrt war, was die Brautleute jeweils mit in die Ehe gebracht hatten und was geschehen w\u00fcrde, wenn einer der beieden Eheleute versterben w\u00fcrde. Es wurde als ein Ehevertrag geschlossen.<\/p>\n<p>Am Hochzeitstage dann begleiteten nur wenige Angeh\u00f6rige die Brautleute zur Kirche. Das gesamt restliche Brautvolk erwartete das junge Paar beim Hochzeitshaus, wo die G\u00e4ste bereits mit reichlich Getr\u00e4nken versorgt waren, so dass diese oft schon ordentliche in Stimmung waren, wenn das Brautpaar mit der\u00a0 Kutsche angefahren kam. Wichtig war, dass die Braut das Hochzeitshaus durch die gro\u00dfe Dielent\u00fcr betrat, wo das Essen bereits hergerichtet war. Nach dem Essen begann der Tanz; und hatten die G\u00e4ste keine Lust mehr zum Tanzen, so gingen sie durchs Dorf. In allen H\u00e4usern gab es f\u00fcr die M\u00e4nner Zigarren und Korn und f\u00fcr die Frauen Kaffee und Kuchen. So wanderte man von Haus zu Haus und l\u00e4ngst nicht jeder kam wieder beim Hochzeitshause an.<\/p>\n<p>So fand das famili\u00e4re und das d\u00f6rfliche Geschehen fast ausschlie\u00dflich auf den H\u00f6fen statt, allein schon um m\u00f6glichst kurze Verkehrsstrecken zu haben, da man damals ja noch keine motorisierten Verkehrsmittel kannte und auch die Wege nur Sandwege oder bestenfalls mit Feldsteinen gepflasterte Stra\u00dfen waren.<\/p>\n<p>Ein St\u00fcck &#8222;Industrie&#8220; brachte der Schmiedemeister Heinrich Riepshoff aus Sittensen Ende des 19. Jahrhunderts in unseren Ort. Da es damals keine Schmiede in Westervesede und Umgebung gab, witterte er hier eine Marktl\u00fccke, kaufte sich im Jahre 1889 ein St\u00fcck Land und erbaute im Jahr darauf eine Schmiede und gleich nebenan eine Zimmerei mit S\u00e4gegatter. Zusammen mit dem Tischlermeister Johann Kr\u00f6ger, der sich eine Werkstatt \u00fcber der Schmiede eingerichtet hatte, wurden von nun an landwirtschaftliche Maschinen aller Art, in der Hauptsache aber G\u00f6pel und Dreschmaschinen gebaut.<\/p>\n<p>Nach einem Brand am 14. Januar 1925 wurde das inzwischen zu einer Maschinenfabrik angewachsene Unternehmen wieder aufgebaut, so wie das Geb\u00e4ude heute noch zu sehen ist. Da mit der Zeit immer weniger Holzteile an den Maschinen verwandt wurden, stieg Johann Kr\u00f6ger aus dem Unternehmen aus. Nach dem Tode des Heinrich Riepshoff am 4. Januar 1936 sollte der einzige Sohn Heinrich Riepshoff die Fabrik weiterf\u00fchren. Als dieser jedoch im zweiten Weltkrieg fiel, war damit das Ende der Maschinenfabrik Riepshoff &amp; Kr\u00f6ger gekommen, das sich weit \u00fcber die Grenzen des Ortes und des Kirchspiels einen Namen gemacht hatte.<\/p>\n<p>Doch nicht nur in dieser Familie hinterlie\u00df der Krieg schwere Wunden. Aus fast jeder Familie des Ortes starben Angeh\u00f6rige in einem der beiden Weltkriege oder wurden vermisst. So kamen von 71 Teilnehmern des 1. Weltkrieges 23 M\u00e4nner nicht wieder zur\u00fcck. Im zweiten Weltkrieg waren es sogar 39, die gefallen und vermisst waren.<\/p>\n<p>Ihnen allen zum Gedenken, in der Hoffnung, dass es nie wieder Krieg geben m\u00f6ge, sondern es vielmehr zu einer Verst\u00e4ndigung und einem dauerhaften Frieden zwischen den V\u00f6lkern kommen werde, wurde neben dem Friedhof ein Ehrenmal errichtet, wo die in 46 Felsbrocken eingekerbten Namen der Gefallenen und Vermissten an die Kriegszeiten erinnern.<\/p>\n<p>Die Jahre nach dem Krieg brachten den Einwohnern unseres Ortes schwere Zeiten: viele Frauen, deren M\u00e4nner nicht zur\u00fcckgekommen warem, mussten die Betriebe allein bewirtschaften und waren auf sich getellt. Auch gab es in den Jahren 1947 bis 1960 sehr viele Br\u00e4nde in Westervesede, wodurch insgesamt 16 Geh\u00f6fte besch\u00e4digt wurden. Durch die Rohstoffknappheit, gestaltete sich ein Wiederaufbau zwar immer sehr schwierig, wurde aber doch unter anderem mit Hilfe der Dachverb\u00e4nde m\u00f6glich. Bei aller Not in der Nachkriegszeit zeigen die Zahlen \u00fcber <a href=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/die-geschichte-unseres-dorfes\/landwirtschaft-daten\/\">landwirtschaftliche Anbaufl\u00e4chen<\/a> (1930 &#8211; 1950), dass der wirtschaftliche Aufschwung nicht an Westervesede vorbei ging.<\/p>\n<p>Westervesede war aber auch ein Ziel vieler Menschen, die aus den \u00f6stlichen Gebieten vertrieben wurden. Sie fanden hier Unterkunft und Verpflegung und konnten auf den Bauernh\u00f6fen mitarbeiten, ehe sie z.B. zu anderen Familienangeh\u00f6rigen zogen\u00a0 oder eine andere Arbeitsstelle und dort hinzogen. Doch f\u00fcr viele der Vertriebenen wurde unser Ort auch zu einem zweiten Zuhause.<\/p>\n<p>So gab es in Westervesede \u00fcber Jahrzehnte und Jahrhunderte hindurch immer ein Auf und Ab, und oft genug war die Hoffnung schon aufgegeben, dass es wieder aufw\u00e4rts gehen w\u00fcrde. Doch zu allen Zeiten hat man es verstanden, den Zusammenhalt und die Dorfgemeinschaft zu bewahren, so wie es heute noch der Fall ist.<\/p>\n<p>Ingrid Bahrenburg<\/p>\n<p>Dem Aufsatz von Ingrid Bahrenburg wurden folgende Fotos hinzugef\u00fcgt:<br \/>\nSchee\u00dfeler Tracht, Schee\u00dfeler Hochzeitstracht<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_273\" aria-describedby=\"caption-attachment-273\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-273 size-medium\" src=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Karte-Wv-19-H\u00f6fe-300x141.jpg\" alt=\"Karte Wv - 19 H\u00f6fe\" width=\"300\" height=\"141\" srcset=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Karte-Wv-19-H\u00f6fe-300x141.jpg 300w, https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Karte-Wv-19-H\u00f6fe-949x445.jpg 949w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-273\" class=\"wp-caption-text\">Karte Wv &#8211; 19 H\u00f6fe<\/figcaption><\/figure>\n<p>(<a href=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Karte-Wv-19-H\u00f6fe.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">F\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Ansicht bitte hier klicken.<\/a>)<\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">In der nebenstehenden Karte sind die urspr\u00fcnglichen 19 H\u00f6fe besonders (gelb) gekennzeichnet. Sie geben den Stand von vor 1860 wieder. Die nach der Verkoppelung gegr\u00fcndeten neuen Hofstellen (rot markiert) zeigen, wie das Dorf expandierte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte unseres Dorfes aus: \u00bb Westervesede stellt sich vor\u00ab ( 1986) Wie Bodenfunde bezeugen, liegt die Ortschaft Westervesede auf einem uralten Siedlungsgebiet. So stammt z.B. das durch Kultivierungsarbeiten zerst\u00f6rte H\u00fcnengr\u00e4berfeld im &#8222;Twervie&#8220; und beim &#8222;Kleinen Loh&#8220; aus der Zeit etwa 2500 bis 1500 v. Chr.\u00a0 Auch das etwa 1850 beim Anlegen eines Weges zwischen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":101,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_genesis_hide_title":false,"_genesis_hide_breadcrumbs":false,"_genesis_hide_singular_image":false,"_genesis_hide_footer_widgets":false,"_genesis_custom_body_class":"","_genesis_custom_post_class":"","_genesis_layout":"full-width-content","footnotes":""},"class_list":{"0":"post-161","1":"page","2":"type-page","3":"status-publish","5":"entry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/161","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=161"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/161\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6051,"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/161\/revisions\/6051"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/101"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=161"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}