{"id":2426,"date":"2016-10-22T19:38:12","date_gmt":"2016-10-22T19:38:12","guid":{"rendered":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/?page_id=2426"},"modified":"2026-01-08T10:52:36","modified_gmt":"2026-01-08T09:52:36","slug":"kriegsende-1945","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/geschichten\/erinnerungen-ii\/kriegsende-1945\/","title":{"rendered":"Kriegsende 1945"},"content":{"rendered":"<p>Mein Vater musste die Br\u00fccke, die \u00fcber den Kr\u00fcppelbach am Ortseingang von Westervesede f\u00fchrte , bewachen. Hier war eine Panzersperre aufgebaut. Vater hatte an dieser Br\u00fccke acht Tage lang Straf-Nachtwache zu halten, weil er die sinnlos erscheinenden Nachtwachen eigenm\u00e4chtig aufgel\u00f6st hatte.<\/p>\n<p>Beim Einr\u00fccken der Engl\u00e4nder sollte die Br\u00fccke gesprengt werden.<\/p>\n<p>T\u00e4glich waren bei uns deutsche Soldaten einquartiert. Mein Vater fragte in den letzten Kriegstagen einen SS-Mann, ob das Dorf denn auch verteidigt werden w\u00fcrde. Er wollte es wissen, damit er im Notfall mit uns Kindern den Hof verlassen und ins Moor fliehen k\u00f6nnte. Es entstand eine bedrohliche Situation: Ich stand neben Vater, als ein heftiges Streitgespr\u00e4ch begann und Vater mit deutlicher Anstrengung sagte: &#8222;Auf meinem Hof f\u00e4llt kein Schuss!&#8220; Daraufhin zog der SS-Mann seine Pistole und hielt sie meinem Vater direkt vor die Brust. Vater sagte: &#8222;Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben,&#8220; und drehte sich ruckartig um. Ich lief aus Angst weg. Ein \u00e4ltere Soldat, einer von den Landessch\u00fctzen, warnte meinen Vater, weil der SS-Mann erst vor wenigen Tagen einen Zivilisten, einen Schuster in der N\u00e4he von Bomlitz, erschossen hatte. Am n\u00e4chsten Morgen, bei einer Begegnung mit dem SS-Mann, sagte dieser: &#8222;Was meinen sie, wenn ich sie gestern niedergeknallt h\u00e4tte?&#8220;<\/p>\n<p>St\u00e4ndig kreisten Tiefflieger \u00fcber das Dorf und knatterten mit ihren Bordwaffen. Die Soldaten, es waren gr\u00f6\u00dftenteils Hitlerjungen, gingen unter den Eichen in Deckung. Sie r\u00fcckten gegen Abend in Richtung Veerse \/ Bartelsdorf ab.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen gegen 11 Uhr kamen die englischen Panzer in unser Dorf gefahren. Vorne auf dem ersten Panzer sa\u00dfen 2 Einwohner aus Westervesede. Mit einer wei\u00dfen Fahne waren sie den Engl\u00e4ndern entgegengegangen und hatten ihnen erkl\u00e4rt, dass keine deutschen Truppen mehr im Ort waren. Einige Hitlerjungen, die mit der Panzerfaust die Br\u00fccke verteidigen und den Sprengstoff z\u00fcnden wollten, hatten sie weggeschickt.<\/p>\n<p>Die Russen und Polen, die auf den H\u00f6fen gearbeitet hatten, wollten die Panzer erklettern, aber die Soldaten lie\u00dfen das nicht zu. Sie zogen laut jolend durch die Stra\u00dfen. An jedem Haus musste ein Zettel mit Namen, Beruf und Geburtsdatum der einzelnen Hausbewohner angebracht werden. Bei uns im Garten wurden L\u00f6cher gegraben und Ger\u00e4te aufgebaut. Sie zeigten in Richtung Rotenburg. \u00dcberall waren Soldaten die mit langen Stangen das Erdreich durchsuchten. Mir war das unheimlich und ich lief schnell nach Hause. Als ich die Flurt\u00fcr \u00f6ffnete, bekam ich einen geh\u00f6rigen Schreck. Neben meinem Vater standen Offiziere und neun englische Soldaten mit Maschinengewehren und Pistolen im Anschlag, um auf Kommando abschie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Mir gegen\u00fcber an der Wand standen mehrere Engl\u00e4nder und ein Flame, der englisch sprechen konnte. Dieser Belgier war deutsch gesonnen und vor anr\u00fcckenden Alliierten mit Gleichgesinnten nach Deutschland geflohen. Der Flame war h\u00e4ufiger Gast in unserem Hause und ihm ist es zu verdanken, dass unser Vater bleiben durfte, w\u00e4hrend die beiden Offiziere abgef\u00fchrt wurden. Sie sind in ein Lager nach Belgien gebracht worden und erst nach Jahren aus der Internierung entlassen worden. Unsere Familie und auch die Fl\u00fcchtlingsfamilie mussten das Haus r\u00e4umen und wir kamen bei Nachbarn unter. Die Scheune wurde Proviantlager. Nach einer Woche genehmigte man uns die R\u00fcckkehr auf den Hof. Kurze Zeit sp\u00e4ter wurde Vater von der Milit\u00e4rregierung zum B\u00fcrgermeister der Gemeinde Westervesede ernannt. Gegen Ende Mai mussten die Flamen den Saal von Grobr\u00fcgge r\u00e4umen. Sie wurden mit drei Gummiwagen nach Soltau ins Lager gebracht. Auf der R\u00fcckfahrt sind sie Richtwege gefahren. Ein Pferd ist auf eine Miene getreten, wobei Fahrer wie auch Pferd bei der Explosion ums Leben kamen.<\/p>\n<p>Am 8. Mai, am Tag der Kapitulation, feierten die englischen <span lang=\"zxx\">Soldaten<\/span> in der Gemeinde Schee\u00dfel ein Freuden-und Siegesfest.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Vater musste die Br\u00fccke, die \u00fcber den Kr\u00fcppelbach am Ortseingang von Westervesede f\u00fchrte , bewachen. Hier war eine Panzersperre aufgebaut. Vater hatte an dieser Br\u00fccke acht Tage lang Straf-Nachtwache zu halten, weil er die sinnlos erscheinenden Nachtwachen eigenm\u00e4chtig aufgel\u00f6st hatte. Beim Einr\u00fccken der Engl\u00e4nder sollte die Br\u00fccke gesprengt werden. 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