{"id":3328,"date":"2017-10-20T15:26:58","date_gmt":"2017-10-20T13:26:58","guid":{"rendered":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/?page_id=3328"},"modified":"2017-11-13T10:35:35","modified_gmt":"2017-11-13T09:35:35","slug":"hochzeitsfeiern-und-hochzeitsbraeuche","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/geschichten\/erinnerungen-ii\/hochzeitsfeiern-und-hochzeitsbraeuche\/","title":{"rendered":"Hochzeitsfeiern und Hochzeitsbr\u00e4uche"},"content":{"rendered":"<p>Wilma Volkmer, geb. Bruns erinnert sich:<\/p>\n<p><strong>Hochzeitsfeiern und Hochzeitsbr\u00e4uche <\/strong><\/p>\n<p>Heirat und Eheschlie\u00dfung spielen seit Jahrhunderten eine Rolle im Leben der Menschen. Jedoch haben sich Sitten und Br\u00e4uche im Laufe der Zeit stark ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>An einige dieser Hochzeitsbr\u00e4uche kann sich Wilma Volkmer, geb. Bruns, im Gespr\u00e4ch mit Margaretha Leverenz noch\u00a0 recht gut erinnern. Besonders an einen, der\u00a0 auch bei ihrer Hochzeit zur Anwendung kam.<\/p>\n<p>Der Brauch besagte, dass aus dem Haus, aus dem der eine Teil des Brautpaares auszog, ein Hahn entwendet wurde. Das Tier wurde erst einmal zwecks Ruhigstellung mit Alkohol bet\u00e4ubt, danach in einen Jutesack gesteckt und heimlich in das neue Domizil\u00a0 gebracht. Dort versteckte man das alkoholisierte Tier im Schlafzimmer der Brautleute \u2013 z.B. im Kleiderschrank oder in einer Truhe . Wenn dann am n\u00e4chsten Morgen der Hahn aus seinem Koma erwachte und anfing zu kr\u00e4hen, wurde\u00a0 sicher so manches Brautpaar unsanft aus dem Schlaf geweckt.<\/p>\n<p>Nicht weniger unangenehm f\u00fcr\u00a0 Brautleute war es, wenn sie\u00a0 mitten in der Nacht und m\u00fcde von der Hochzeitsfeier endlich in ihre Betten fallen wollten, dieselben\u00a0 erst einmal wieder zusammenbauen mussten. Einige Spa\u00dfv\u00f6gel aus der Dorfjugend hatten w\u00e4hrend der Feier heimlich die Betten auseinandergebaut. Leider waren dabei nicht selten h\u00e4ssliche Schrammen auf den neuen M\u00f6beln entstanden. Die Hochzeitsnacht war damit nat\u00fcrlich auch viel zu kurz ausgefallen.<\/p>\n<p>Ein &#8211; besonders f\u00fcr die Braut &#8211;\u00a0 hartes Ritual hat sich bis weit ins 19. und 20. Jahrhundert gehalten: Die Braut musste beim Bestellen des Aufgebotes vor dem Pastor offenlegen, ob sie \u201eunschuldig\u201c oder \u201eehrbar\u201c &#8211; also als Jungfrau vor den Altar tritt. Wehe, wenn nicht! Von der Kanzel wurde dann der \u201eFehltritt\u201c abgek\u00fcndigt \u2013 daher auch das Wort \u201eabkanzeln\u201c. Als \u00e4u\u00dferes Zeichen eines solchen Fehlverhaltens durfte sie nicht im wei\u00dfen Kleid heiraten, sondern musste schwarz gewandet in die Kirche gehen. Und damit wusste auch der letzte Bescheid.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang sei noch ein anderer Brauch erw\u00e4hnt, allerdings nicht unbedingt ein Hochzeitsbrauch.<\/p>\n<p>Wurde ein junger Mann oder ein junges M\u00e4dchen von einem langj\u00e4hrigen Freund \/ Freundin\u00a0 oder gar schon Verlobten verlassen, konnte er \/sie sich dem Hohn und Spott der Dorfjugend sicher sein, denn zur Zeit der mit Reet\u00a0 gedeckten H\u00e4user brachte sie einen Bienenkorb auf dem First des Hauses an. Das \u00e4nderte sich sp\u00e4ter mit der Einf\u00fchrung der Ziegeld\u00e4cher. Von da an streute man H\u00e4cksel, Holzhackschnitzel oder S\u00e4gemehl vors Haus.<\/p>\n<p>Der Brauch des \u201eSchleierabtanzens\u201c hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Leider fielen dabei nicht selten Tr\u00e4nen, dann n\u00e4mlich, wenn die Braut sich vorher nicht den Schleier einschneiden lie\u00df; denn nicht immer ging man dabei vorsichtig zu Werke sondern riss der Braut recht unsanft den Schleier vom Kopf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie lief nun vor ca. einhundert Jahren so eine Bauernhochzeit in Westervesede ab?<\/p>\n<p>\u00dcblich war es, die Feier auf dem b\u00e4uerlichen Hof eines der Brautleute auszurichten.<\/p>\n<p>So eine richtige Bauernhochzeit feierte fast das ganze Dorf mit; und so kamen schnell 150 \u2013 200 G\u00e4ste zusammen. Eingeladen wurde durch einen Hochzeitsbitter oder K\u00f6stenbitter, der von Haus zu Haus ging, seinen Einladungsvers hersagte und daf\u00fcr ein Trinkgeld oder einen kr\u00e4ftigen Schluck aus der Schnapsflasche bekam.<\/p>\n<p>An einem der letzten Tage vor der Hochzeit, auch Kissenwagentag genannt, ratterte dann ein Leiterwagen durchs Dorf und brachte die \u2013 meist \u00fcppige \u2013 Aussteuer der Braut in ihr neues Heim. Die Aussteuer bestand in der Regel aus Bettzeug und Stapeln von Leinent\u00fcchern f\u00fcr K\u00fcche, Tisch und Bett, auch M\u00f6belst\u00fccke, die bis Mitte des letzten Jahrhunderts noch von einem Tischler aus der n\u00e4heren Umgebung angefertigt wurden und meistens mehr als eine Generation \u00fcberdauerten.<\/p>\n<p>Am Tag vor der Hochzeit r\u00fcckte die K\u00f6chin an,\u00a0 eine t\u00fcchtige Frau aus dem Ort. Das Fleisch f\u00fcr den Braten stammte nat\u00fcrlich aus dem eigenen Stall. Auch einige H\u00fchner mussten f\u00fcr die Hochzeit ihr Leben lassen, denn eine kr\u00e4ftige Hochzeitssuppe geh\u00f6rte einfach zum Hochzeitsmenue. (Noch heute hat wohl jede Region ihr eigenes Rezept f\u00fcr eine traditionelle Hochzeitssuppe) Bei ihren Essensvorbereitungen fand die K\u00f6chin tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung bei mehreren jungen M\u00e4dchen aus Westervesede. Besonders beim Kartoffelsch\u00e4len, Fleischkl\u00f6\u00dfe drehen und Gem\u00fcseputzen halfen sie am Vortag t\u00fcchtig mit und hatten dabei nicht nur viel Arbeit, sondern auch eine Menge Spa\u00df. Oft konnten sie dabei auch einen ersten Blick auf volle, fein s\u00e4uberlich einger\u00e4umte Schr\u00e4nke werfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann war der gro\u00dfe Tag da. Alles lief auf Hochtouren weiter. Die Tafel f\u00fcr die vielen G\u00e4ste musste gedeckt werden. Bei gutem Wetter auch schon mal drau\u00dfen unter den hohen Eichen. In ung\u00fcnstigeren Zeiten r\u00e4umte man eine Scheune auf dem Hof aus und schm\u00fcckte sie festlich.<\/p>\n<p>Das Geschirr lieh man sich in der Nachbarschaft zusammen. Das ganze Dorf war auf den Beinen und packte mit an. Die Trauung fand entweder zu Hause oder in der Schee\u00dfeler Kirche statt. Dorthin fuhr man mit Kutschwagen.\u00a0 Nach dem Kirchgang ging es wieder zur\u00fcck auf den Hof. Hier wurde das gro\u00dfe Ereignis im Bild festgehalten. Auf einem freien Platz \u2013 oft vor dem Dielentor \u2013 war eine Stellage aufgebaut, auf die sich die ganze Hochzeitsgesellschaft aufstellte: die wichtigsten wie Brautleute, Eltern und Geschwister in der ersten Reihe, der Rest gruppierte sich drumherum. Die Zeit zwischen Kirchgang und Essen wurde oftmals aber auch daf\u00fcr genutzt, einen Blick in den Schrank &#8211; fr\u00fcher auch Schapp genannt \u2013 zu werfen. Nicht selten lagen die\u00a0 weiblichen G\u00e4ste vor dem Schrank\u00a0 auf den Knien um die gro\u00dfe Anzahl\u00a0 Handt\u00fccher, Bett-und Tischw\u00e4sche zu begutachten oder gar zu z\u00e4hlen. Und\u00a0 dann ging es zum Essen. Suppe als ersten Gang . Es folgte : H\u00fchnerfrikassee mit Reis, in sp\u00e4teren Jahren auch mit Pasteten, dann der Hauptgang bestehend aus Braten, Gurken- oder Bohnensalat und\u00a0 Gem\u00fcse, was der Garten oder die Einmachgl\u00e4ser gerade hergaben. Der Nachtisch hatte sich im Laufe der Zeit ge\u00e4ndert. Reichte man zu Uromas Zeiten noch Milchreis mit Zimt und Zucker oder mit Backobst, lagen Mitte des letzten Jahrhunderts feine Erdbeer-, Himbeer- und Zitronencremes voll im Trend.<\/p>\n<p>Wilma Volkmer konnte sich erinnern, dass des \u00f6fteren\u00a0 nach einem solch opulenten Essen die ganze Hochzeitsgesellschaft\u00a0 sich auf den Weg zu\u00a0 Hanschen Harms Gastst\u00e4tte machte. Auf dem gro\u00dfen Saal spielte eine Kapelle bis in die sp\u00e4ten Abendstunden zum Tanz auf. Erst sp\u00e4t in\u00a0 der Nacht ging es dann ins Hochzeitshaus zur\u00fcck, wo ein sp\u00e4ter Imbiss bereitstand; beliebt waren damals wohl Kartoffelsalat mit W\u00fcrstchen, belegte Brote oder Reste vom Hochzeitsessen.<\/p>\n<p>(ml)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wilma Volkmer, geb. Bruns erinnert sich: Hochzeitsfeiern und Hochzeitsbr\u00e4uche Heirat und Eheschlie\u00dfung spielen seit Jahrhunderten eine Rolle im Leben der Menschen. Jedoch haben sich Sitten und Br\u00e4uche im Laufe der Zeit stark ver\u00e4ndert. An einige dieser Hochzeitsbr\u00e4uche kann sich Wilma Volkmer, geb. Bruns, im Gespr\u00e4ch mit Margaretha Leverenz noch\u00a0 recht gut erinnern. 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