{"id":5064,"date":"2020-06-19T17:25:34","date_gmt":"2020-06-19T15:25:34","guid":{"rendered":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/?page_id=5064"},"modified":"2025-05-13T07:38:01","modified_gmt":"2025-05-13T05:38:01","slug":"tod-und-trauerfeier","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/tod-und-trauerfeier\/","title":{"rendered":"Tod und Bestattung"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>Bis zur Christianisierung (um 800)<br \/>\nDie Begr\u00e4bnissitten dieser Zeit sind gekennzeichnet durch die vielerorts bekannten Gro\u00dfsteingr\u00e4ber (H\u00fcnengr\u00e4ber) z.B. bei Gut Veerse ( Jungsteinzeit, ca. 3000 v. Chr.) und die Erdh\u00fcgelgr\u00e4ber (Bronzezeit, ca. 1500 v. Chr.)<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Die sp\u00e4ter angelegten Urnenfelder (Fundorte: \u201eTwervie\u201c, \u201eKleiner Loh\u201c oder \u201eAuf dem schwarzen Land\u201c) ( ca 1000 v. Chr.) zeugen von Feuerbestattungen, die mit der Christianisierung ein Ende fanden.<\/p>\n<ul>\n<li>Nach der Christianisierung und dem Bau von Kirchen auf geweihtem Gel\u00e4nde fanden die nunmehr Erdbestattungen im unmittelbaren Umfeld der Kirche statt<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_5063\" aria-describedby=\"caption-attachment-5063\" style=\"width: 531px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5063 size-large\" src=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/friedhof-Kirche-2-531x445.jpg\" alt=\"Kirche Schee\u00dfel, Friedhofsareal Westervesede\" width=\"531\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/friedhof-Kirche-2-531x445.jpg 531w, https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/friedhof-Kirche-2-300x251.jpg 300w, https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/friedhof-Kirche-2.jpg 1225w\" sizes=\"auto, (max-width: 531px) 100vw, 531px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5063\" class=\"wp-caption-text\">Kirche Schee\u00dfel, Friedhofsareal Westervesede<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"western\">Jeder Ortschaft im Kirchspiel Schee\u00dfel war einen gesondertes Gr\u00e4berfeld zugeordnet, dabei handelte es sich um Massengr\u00e4ber.<br \/>\nInsbesondere in Zeiten erh\u00f6hter Sterblichkeit (Seuchen, Kriege, Hungersn\u00f6te) gerieten die Kirchh\u00f6fe schnell an ihre Kapazit\u00e4tsgrenzen. Das oft t\u00e4gliche \u00d6ffnen der Gr\u00e4ber mit den Umbettungen halbverwester Leichen sorgte f\u00fcr anhaltende Geruchsbel\u00e4stigung und gesundheitliche Gefahren. So wurde der Schee\u00dfeler Friedhof an der Kirche 1823-25 um Fl\u00e4chen vom benachbarten Landwirt L\u00fcdemann und des Pfarrhofs erweitert.<br \/>\nQuelle: Chronik Kirchspiel Schee\u00dfel<\/p>\n<p class=\"western\">Bereits gut 20 Jahre sp\u00e4ter wurde 1847 an der Zevener Stra\u00dfe ein neuer Friedhof angelegt &#8211; heute Park am Rathaus -, der aber bereits nach der letzten Belegung 1911 wieder geschlossen wurde.<\/p>\n<p class=\"western\">1885 wurde am Veerser Weg \/ Peterstra\u00dfe \u2013 au\u00dferhalb der Wohnbebauung &#8211; ein gr\u00f6\u00dferer kirchlicher Friedhof angelegt; 1887 war dort auch eine erste Friedhofskapelle fertiggestellt. Aber auch dieser Friedhof stie\u00df bald an seine Kapazit\u00e4tsgrenzen. So wurde bereits vor 1930 ein neuer Friedhof in kirchlicher Tr\u00e4gerschaft am Leehopweg geplant und angelegt.<\/p>\n<p class=\"western\">Gleichzeitig erhielten etliche Ortschaften einen eigenen Friedhof: so wurde in Ostervesede 1926 und in Westervesede 1928 ein eigener Friedhof in kommunaler Tr\u00e4gerschaft in Betrieb genommen. (s.a. besonderen Beitrag: <a href=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/westervesede-friedhof\/\">Friedhof Westervesede<\/a>)<\/p>\n<p><em><strong>Die ARD hat in einer Sendung zum Thema &#8222;Leben mit dem Tod&#8220; einige Rituale vorgestellt:<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Vor ca. 200 Jahren &#8211; und in vielen Regionen auch noch sp\u00e4ter &#8211; war es \u00fcblich, alle Spiegel mit schwarzen T\u00fcchern zu verh\u00e4ngen, wenn jemand starb. Man glaubte n\u00e4mlich, dass ein Spiegel ein Werkzeug des Teufels sei. Und wer sich selbst zusammen mit einem Toten im Spiegel s\u00e4he, w\u00e4re er der n\u00e4chste der st\u00fcrbe.<\/em><br \/>\n<em>Auch der Brauch am Todestag alle Uhren im Haus anzuhalten, war weit verbreitet. Das sollte bedeuten, dass f\u00fcr den Toten die Zeit abgelaufen war. Aber man munkelte auch, wenn der Pendel der Uhr nicht angehalten w\u00fcrde und immer weiter tickte, dann k\u00f6nne die Seele des Toten keine Ruhe finden und m\u00fcsste in alle Ewigkeit herumirren.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn damals ein Mensch starb, wurde die Nachricht von seinem Tod noch pers\u00f6nlich \u00fcberbracht. Ein Mann ging von Haus zu Haus und sagte beispielweise: &#8222;Guten Tag, Anton M\u00fcller ist heute gestorben und ich bitte euch am Freitag zur Trauerfeier zu kommen.&#8220; &#8211; Weil dieser Mann immer &#8222;Bitte&#8220; sagte, nannte man ihn auch &#8222;Leichen-Bitter&#8220;.<\/em><br \/>\n<em>Dies Wort ist heute noch bekannt und wird gebraucht, wenn jemand mit traurigem Gesicht heruml\u00e4uft &#8211; mit einer &#8222;Leichen-Bitter-Miene&#8220;.<\/em><\/p>\n<p class=\"western\"><em><strong>In der Brosch\u00fcre \u201eWestervesede stellt sich vor (1986)\u201c beschreibt J\u00fcrgen Huch die Tradition um Tod und Beerdigung:<\/strong><\/em><\/p>\n<p class=\"western\"><i>Das Ausheben des Grabes und das Tragen des Sarges wird durch die Dorfgemeinschaft \u00fcbernommen, Zum Graben erhalten jeweils zwei Personen, bei starkem Frostwetter auch schon mal drei, und zum Tragen sechs Personen Bescheid. Jedes Haus kommt an die Reihe; es geht von Haus zu Haus durch das gesamte Dorf.<\/i><\/p>\n<p class=\"western\"><i>Fr\u00fcher wurde der Sarg im Trauerhaus aufgebahrt. Die Nachbarn \u00fcbernahmen das Ankleiden des Verstorbenen, erledigten alle Formalit\u00e4ten und standen der Trauerfamilie in den schweren Stunden mit Rat und Tat bei. Nach dem die Trauerfeier im Haus <\/i><span style=\"font-size: small;\">(vom Lehrer)<\/span><i>gehalten war, wurde der Sarg auf einem mit Pferden bespannten Wagen geladen, mit Kr\u00e4nzen bedeckt und in einem Trauerzug zum Friedhof <\/i><span style=\"font-size: small;\">(bis 1971 nach Schee\u00dfel)<\/span><i> gefahren. Mit Ges\u00e4ngen aus dem kirchlichen Gesangbuch f\u00fchrte der Lehrer mit acht Schulkindern den Trauerzug an. Neben dem Wagen reihten sich die Tr\u00e4ger ein. Hinter dem Sarg ging der Pastor <\/i><span style=\"font-size: small;\">(der bis 1971 den Trauerzug in Schee\u00dfel erwartete)<\/span><i> , dahinter die Angeh\u00f6rigen und anschlie\u00dfend die Trauergemeinde.<\/i><\/p>\n<p class=\"western\">[Die Texte der Traueransprachen des letzten Lehrers der Volksschule Westervesede liegen dem Verein VEESbook e.V. vor.]<\/p>\n<p class=\"western\"><a name=\"_GoBack\"><\/a> Nach dem Kriegsende 1945 wurden viele Fl\u00fcchtlingsfamilien aufgenommen, mit dem Wirtschaftaufschwung erfolgten Um- und Neubauten der H\u00e4user. Als Folge war oftmals eine Aufbahrung der Verstorbenen schwieriger oder gar unm\u00f6glich, denn Dielen oder gro\u00dfe Flure standen nicht mehr \u00fcberall zur Verf\u00fcgung. Da fasste die Gemeinde Westervesede 1969 den Beschluss zur Planung und Bau einer Friedhofskapelle mit angegliedertem Leichenraum, die nur finanziert werden konnte, weil jede Familie einen Betrag von 300 DM beisteuerte. 1971 konnte die Kapelle eingeweiht werden; sie steht seither f\u00fcr Trauerfeiern aus Ostervesede und Westervessede zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p class=\"western\">Die S\u00e4kularisierung der ehemals streng kirchlich gepr\u00e4gten Gesellschaft ist auch hier zu beobachten; sie zeigt sich nicht nur in der Verlagerung der Tr\u00e4gerschaft von neuen \u00f6rtlichen Friedh\u00f6fen auf die Kommunen. Galt fr\u00fcher die Mitgliedschaft in der Kirche (und regional hier meist der evangelischen Kirche) als Selbstverst\u00e4ndlichkeit , ist dieser Anteil in der Bev\u00f6lkerung stark zur\u00fcckgegangen (2011: Land Niedersachsen 50 %, Stadt Hannover 31,8 %, Bremen 37,4 %)<\/p>\n<p class=\"western\">War die Bestattung urspr\u00fcnglich Sache der Hinterbliebenen bzw. des sozialen Verbandes (Dorf, Zunft, beruflicher Verb\u00e4nde) entwickelte sich in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts ein neuer Berufsstand: der Bestatter. Wurden diese Aufgaben zun\u00e4chst von (Sarg-)Tischlern oder Fuhrbetrieben quasi nebenberuflich wahrgenommen, entwickelten sie sich zu Spezialisten, die ab Mitte des 20. Jahrhunderts auch zeremonielle Funktionen \u00fcbernahmen.<\/p>\n<p class=\"western\">Zeichen einer fortschreitenden S\u00e4kularisierung sind so auch folgende Beobachtungen:<br \/>\nDie Begleitung und Betreuung Sterbender und Trauernder wird zunehmend nicht mehr von Geistlichen wahrgenommen sondern von anderen gesellschaftlichen Gruppen wie Selbsthilfegruppen oder professionellen Trauerbegleitern oder auch Psychotherapeuten \u00fcbernommen.<\/p>\n<ul>\n<li>Heute\u00a0 ist eine ansteigende Zahl nicht kirchlicher Trauerfeiern zu beobachten, bei denen freie Trauerredner zum Einsatz kommen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Parallel hierzu finden Trauerfeiern vermehrt in besonderen Abschiedsr\u00e4umen bei den Bestattern statt<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\">Die \u00fcber Jahrhunderte hinweg traditionelle Erdbestattung im Holzsarg wird zunehmend ersetzt durch Feuerbestattung (Urne)<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"color: #000000; font-family: Calibri, serif;\"> oder die<\/span>\u00a0<\/span>besonderen Formen der Baumbestattung, Seebestattung, Diamantbestattung.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>(awl)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis zur Christianisierung (um 800) Die Begr\u00e4bnissitten dieser Zeit sind gekennzeichnet durch die vielerorts bekannten Gro\u00dfsteingr\u00e4ber (H\u00fcnengr\u00e4ber) z.B. bei Gut Veerse ( Jungsteinzeit, ca. 3000 v. Chr.) und die Erdh\u00fcgelgr\u00e4ber (Bronzezeit, ca. 1500 v. Chr.) Die sp\u00e4ter angelegten Urnenfelder (Fundorte: \u201eTwervie\u201c, \u201eKleiner Loh\u201c oder \u201eAuf dem schwarzen Land\u201c) ( ca 1000 v. 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