{"id":668,"date":"2016-02-19T13:53:25","date_gmt":"2016-02-19T13:53:25","guid":{"rendered":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/?page_id=668"},"modified":"2016-03-22T10:13:19","modified_gmt":"2016-03-22T10:13:19","slug":"leben-ohne-supermarkt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/geschichten\/erinnerungen-ii\/leben-ohne-supermarkt\/","title":{"rendered":"Leben ohne Supermarkt"},"content":{"rendered":"<div class=\"level1\">\n<p>\u00a0Marianne Schr\u00f6der aus Deepen berichtet, wie sie es erlebt hat:<\/p>\n<p>Die Ern\u00e4hrungs- und Einkaufsm\u00f6glichkeiten auf dem Lande sahen im 2. Weltkrieg und kurz danach ganz anders aus als heute.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"secedit editbutton_section editbutton_1\"><\/div>\n<h2 class=\"sectionedit2\">Brot + Milchprodukte<\/h2>\n<div class=\"level2\">\n<p>Der Milchwagen kam t\u00e4glich und holte Milch in 20-Liter-Kannen ab. W\u00f6chentlich brachte er die bestellte Butter mit. Bei Bedarf konnten wir auch K\u00e4se und Sahne bestellen, die er dann auch auslieferte. Von B\u00e4cker L\u00fcdemann, sp\u00e4ter B\u00e4cker Niele aus Schee\u00dfel (heute: B\u00e4ckerei Stelling + La Piazza), brachte er die bestellten Brote mit \u2013 meistens 1 Schwarzbrot und 1 Feinbrot. Zur Bestellung befestigten wir einen Zettel an den Milchkannen. Unser Korn wurde zur M\u00fchle nach Westervesede gebracht und der M\u00fcller fuhr das Mehl zum B\u00e4cker. Pro Brot wurde die entsprechende Menge Mehl verrechnet. Wir haben dann den Rest f\u00fcr das Backen etwa monatlich bezahlt. Zuckerr\u00fcben: Im Herbst, wenn die Zuckerr\u00fcben ausgewachsen waren, wurde daraus Sirup gemacht. Mit dem Pferdefuhrwerk fuhr man die Zuckerr\u00fcben nach Hemslingen. Es wurden dann auch immer mehrere Partien der Nachbarn mitgenommen. Dort zerkleinerte man die Zuckerr\u00fcben und presste sie aus. Der Saft wurde in Wannen und K\u00fcbel gegossen und wieder mit nach Deepen genommen. Jeder Nachbar bekam seine Menge wieder zur\u00fcck und verarbeitet sie zu Hause zu Sirup. Das machte man so: Im gro\u00dfen Grapen wurde der Saft so lange unter R\u00fchren gekocht, bis er schmeckte.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"secedit editbutton_section editbutton_2\"><\/div>\n<h2 class=\"sectionedit3\"><a id=\"kartoffelmehl\" name=\"kartoffelmehl\"><\/a>Kartoffelmehl<\/h2>\n<div class=\"level2\">\n<p>Aus St\u00e4rkekartoffel machte man Kartoffelmehl. Die rohen Kartoffeln wuschen wir in gro\u00dfen Zinkwannen. Dann wurden sie auf den Ackerwagen geladen und nach Hemslingen gefahren, wo man sie zerkleinerte. Dann brachte man sie wieder nach Hause. Hier wurde immer wieder frisches Wasser aufgef\u00fcllt und abgegossen. Das Mehl setzte sich am Boden ab und wurde getrocknet. Das ergab feinstes Kartoffelmehl.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"secedit editbutton_section editbutton_3\"><\/div>\n<h2 class=\"sectionedit4\"><a id=\"fleisch\" name=\"fleisch\"><\/a>Fleisch<\/h2>\n<div class=\"level2\">\n<p>Im Winter wurden meistens 2 Schweine geschlachtet. Eines vor Weihnachten und eines Ende des Fr\u00fchjahrs. Schon beim Schlachten am fr\u00fchen Morgen war der Nachbar dabei, um das Schwein festzuhalten und auf den Schlachterbock zu heben, um es darauf festzubinden. Mit einem Bolzenschussger\u00e4t wurde dann das Schwein geschossen und am Hals aufgeschnitten. Das Blut fing man im Eimer auf. Es musste st\u00e4ndig mit blo\u00dfem Arm ger\u00fchrt werden. Damit es nicht gerann, goss man etwas kaltes Wasser dazu. Das Blut wurde f\u00fcr die Blut- und Beutelwurst gebraucht. Mit sehr hei\u00dfem Wasser br\u00fchte man die Borsten vom Schwein ab und dann wurden diese abgeschabt. Nun h\u00e4ngte man das Schwein an einer Leiter an beiden Hinterbeinen auf, um es dann am Bauch aufzuschneiden und die Innereien zu entfernen. Dann kam der Fleischbeschauer (Trichinenkieker), um das Fleisch zu untersuchen. Dieser stempelte das Fleisch bei guter Qualit\u00e4t ab, so dass es verarbeitet werden durfte. Das Schwein blieb bis zum Abend drau\u00dfen h\u00e4ngen, damit es ausk\u00fchlte. Es wurden Koch-, Leber-, Blut-, Zungen- und Schwartenwurst im Darm und auch in Dosen und Gl\u00e4sern eingekocht. Au\u00dferdem stellte man S\u00fclze her. In gro\u00dfen Leinenbeuteln (sp\u00e4ter Plastikschl\u00e4uche) wurden noch Beutel- und Gr\u00fctzwurst gemacht. Diese Wurst gab es, in der Pfanne gebraten, jeden Abend, bis sie alle war. Die Leber-, Blut- und Zungenwurst sowie die S\u00fclze r\u00e4ucherten wir im Rauchschrank, damit sie haltbar wurde. Abends wurde die Mettwurst gemacht. Das Fleisch f\u00fcr die Wurst wurde durch den Fleischwolf gedreht. Das ging sehr schwer und wurde von einem Mann gemacht. Der riesiger Haufen Mett wurde gew\u00fcrzt, durchgeknetet und dann durch den Fleischwolf gedreht. Am vordersten Ende war eine T\u00fclle auf den man den Darm st\u00fclpte. Dann wurden die Mettw\u00fcrste gef\u00fcllt. Geschlossen wurde die Wurst mit einem Holzst\u00e4bchen (Wurstpriggen), an dem sp\u00e4ter ein Band gebunden wurde. Daran hing man die W\u00fcrste an einem warmem Ort auf einen Spielen zum Trocknen auf. Anschlie\u00dfend r\u00e4ucherte man sie. Wir bewahrten die Wurst im Sommer im Kachelofen auf. Die Vorder- und Hinterschinken sowie die Speckseiten und Eisbeine wurden in einem Salzfass eingesalzen und mussten einige Wochen darin liegen und wurden, gut ger\u00e4uchert, in der R\u00e4ucherkammer bis zum Verzehr aufbewahrt. Den Schinken schnitt man nicht an, bevor im Mai der Kuckuck rief. Die Nachbarn erhielten eine Portion Br\u00fche und eine frische Leberwurst.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"secedit editbutton_section editbutton_4\"><\/div>\n<h2 class=\"sectionedit5\"><a id=\"butter\" name=\"butter\"><\/a>Butter<\/h2>\n<div class=\"level2\">\n<p>Die Milch wurde entrahmt und den Rahm sammelten wir hinten am Herd. In einer h\u00f6lzernen Butterkanne wurde der Rahm so lange geschlagen, bis es Butter wurde. Nun wurde die Butter von der Buttermilch abgefischt und durch Kneten im kleinen Holzfass mit einem Holzl\u00f6ffel das restliche Wasser ausgedr\u00fcckt. Jetzt wurde sie nur noch gesalzen.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"secedit editbutton_section editbutton_5\"><\/div>\n<h2 class=\"sectionedit6\"><a id=\"gemuese\" name=\"gemuese\"><\/a>Gem\u00fcse<\/h2>\n<div class=\"level2\">\n<p>Im Sommer wurden Erbsen, Wurzeln, Bohnen und Gurken eingeweckt (eingekocht). Als wir um 1960 in Deepen ein Kalthaus bekamen, wurde Gem\u00fcse (und auch Fleischwaren) eingefroren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1036\" src=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Leben-ohne-Supermarkt-1-300x225.jpg\" alt=\"Leben ohne Supermarkt (1)\" width=\"204\" height=\"153\" srcset=\"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Leben-ohne-Supermarkt-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Leben-ohne-Supermarkt-1-593x445.jpg 593w\" sizes=\"auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"secedit editbutton_section editbutton_6\"><\/div>\n<h2 class=\"sectionedit7\"><a id=\"obst\" name=\"obst\"><\/a>Obst<\/h2>\n<div class=\"level2\">\n<p>Marmeladen aus Erdbeeren, Johannisbeeren wurden gekocht oder zu S\u00e4ften verarbeitet. Zwetschen, Birnen, \u00c4pfel, Birnen und Kirschen wurden eingekocht oder getrocknet und als D\u00f6rrobst verbraucht.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"secedit editbutton_section editbutton_7\">\n<h2 class=\"sectionedit1\"><a id=\"eieraufkaeufer_und_sonstige_haendler\" name=\"eieraufkaeufer_und_sonstige_haendler\"><\/a>Eieraufk\u00e4ufer und sonstige H\u00e4ndler<\/h2>\n<div class=\"level1\">\n<p><em>Von Marianne Schr\u00f6der, Deepen<\/em><\/p>\n<p>Wir hatten um 1950 bis zu 150 H\u00fchner. Als Eintagsk\u00fcken haben wir sie eingestallt und dann aufgezogen. Eierh\u00e4ndler holten jeden Tag die Eier ab. Die Preise schwankten von 8 \u2013 15 Pfennig.<\/p>\n<p>Montags war der Eierk\u00e4ufer Hermann Broocks aus Hemslingen mit dem Fahrrad da. Au\u00dferdem kam seine Frau Frieda alle 4 \u2013 6 Wochen mit dem Rad und verkaufte Waschpulver: Henko, Persil, Sil, Imi, Ata\u2026<\/p>\n<p>Am Dienstag kaufte Johann Schwiebert aus Ostervesede mit seiner Schwester die Eier auf. Auch sie kamen bis ca. 1964 mit dem Fahrrad. Johann hatte einen riesengro\u00dfen Korb dabei.<\/p>\n<p>Bis 1972 kam mittwochs Gustav von Borstel aus Westervesede und nahm auch Bestellungen von Lebensmittel auf und brachte diese am Donnerstag vorbei.<\/p>\n<p>Volkmers Opa und sein Sohn Gerd, ebenfalls aus Westervesede, kamen am Donnerstag mit dem Rad zum Eierkaufen da und nahmen auch Bestellungen von Lebensmitteln auf, die sie dann freitags brachten. Sp\u00e4ter, bis ca. 1968\/69 fuhren Volkmers Opa und Wilma mit dem Auto.<\/p>\n<p>Freitags war Hinrich Behrens (Eierhinni) aus Westervesede an der Reihe. Zuerst fuhr er mit dem Fahrrad und sp\u00e4ter mit Pferd und Wagen. Auch er hatte Seifenpulver zu verkaufen.<\/p>\n<p>Karl Behrens aus Vahlde kam am Samstag. Sein Schwiegervater begleitete ihn mit Pferd und Wagen, w\u00e4hrend er mit dem Fahrrad vorweg fuhr. Er hatte allerlei Waren dabei: Salz, Zucker, Mehl, Nudeln, Margarine, Puddingpulver, Streichh\u00f6lzer, Kaffe (Muckefuck: Eitzer, Bonisto, Lindes), Holzschuhe, Pantoffel, Harken, Forken, Schaufeln, Eimer, Stricke,\u2026 Karl Behrens war bis ca. 1970 unterwegs, wobei er die letzten Jahre mit dem Auto unterwegs war. Mittwochs und sonnabends kam B\u00e4cker Feldmann aus Westervesede mit Brot, Br\u00f6tchen und Kuchen.<\/p>\n<p>Schlachter Wahlers aus Schee\u00dfel nahm einmal die Woche Bestellungen f\u00fcr samstags auf.<\/p>\n<p>Am Donnerstag kam der \u201eFischmann\u201c Lehmkuhl aus Rotenburg, sp\u00e4ter der Fischh\u00e4ndler Mertins aus Schee\u00dfel.<\/p>\n<p>\u201e\u00c4rmelhalter, Sockenhalter, Strumpfband, W\u00e4schekn\u00f6pfe\u2026\u201c Mit diesen Worten trat Herr Gro\u00dfkopf aus Schee\u00dfel alle paar Monate ins Haus. In einem gro\u00dfen Koffer hatte er seine ganzen Sachen sorgf\u00e4ltig eingeordnet und pries sie alle namentlich an. Er beendete seine Besuche Anfang der 1970er Jahre.<\/p>\n<p>Im Herbst nahm der aus Bardowick stammende Herr Kretschmar Bestellungen \u00fcber S\u00e4mereien zur Fr\u00fchjahrsbestellung auf. Die S\u00e4mereien (Runkel, Steckr\u00fcben, Erbsen, Bohnen, Salat, Petersilie, Kohlrabi,\u2026) wurden dann im zeitigen Fr\u00fchjahr ausgeliefert. Bis Anfang der 1970er hat er uns beliefert.<\/p>\n<p>Um 1968\/69 hatte die Familie Erich Last in Deepen einen kleinen Verkauf von Haushaltswaren (Mehl, Zucker, Salz,\u2026) In den 1970er Jahren konnten man bei Familie Joachim Weseloh in Deepen Getr\u00e4nke (Bier, Brause) und Zigaretten kaufen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\">\u00a0(r.schr)<\/div>\n<div class=\"clearer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Marianne Schr\u00f6der aus Deepen berichtet, wie sie es erlebt hat: Die Ern\u00e4hrungs- und Einkaufsm\u00f6glichkeiten auf dem Lande sahen im 2. Weltkrieg und kurz danach ganz anders aus als heute. Brot + Milchprodukte Der Milchwagen kam t\u00e4glich und holte Milch in 20-Liter-Kannen ab. W\u00f6chentlich brachte er die bestellte Butter mit. Bei Bedarf konnten wir auch K\u00e4se [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":304,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_genesis_hide_title":false,"_genesis_hide_breadcrumbs":false,"_genesis_hide_singular_image":false,"_genesis_hide_footer_widgets":false,"_genesis_custom_body_class":"","_genesis_custom_post_class":"","_genesis_layout":"full-width-content","footnotes":""},"class_list":{"0":"post-668","1":"page","2":"type-page","3":"status-publish","5":"entry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/668","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=668"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/668\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1680,"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/668\/revisions\/1680"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/304"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=668"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}