{"id":677,"date":"2016-02-19T14:03:15","date_gmt":"2016-02-19T14:03:15","guid":{"rendered":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/?page_id=677"},"modified":"2017-09-13T12:58:38","modified_gmt":"2017-09-13T10:58:38","slug":"heimkehrer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/veesbook.net\/wordpress\/geschichten\/heimkehrer\/","title":{"rendered":"Kriegs-Heimkehrer Johann Rosum"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\">\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">14.12.1955 <strong>Heimkehrer kam nach Westervesede<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">(Schulchronik)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">Der erste nach 53t\u00e4tiger Unterbrechung eingetroffene Heimkehrertransport aus Russland machte das heimatvertriebene Ehepaar Peter Rosum und Frau am gestrigen Donnerstag zu den gl\u00fccklichsten Menschen in Westervesede. Sie schlossen ihren Sohn Johann, den sie als Einundzwanzigj\u00e4hrigen vor zw\u00f6lf Jahren zuletzt gesehen hatten, \u00fcbergl\u00fccklich in die Arme.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">Schon am Dienstag hatte er telegrafisch seine Ankunft im Lager Friedland mitgeteilt und sein Eintreffen mit der Bahn in Schee\u00dfel f\u00fcr Mittwoch angek\u00fcndigt. Bis kurz vor Mitternacht standen die Angeh\u00f6rigen in fieberhafter Erwartung auf dem Bahnhof. Aber der so lange Ersehnte traf erst um ein Uhr nachts in Schee\u00dfel ein, als niemand mehr ihn erwartete. Ein Bahnbeamter brachte ihn zu seiner Schwester in Schee\u00dfel, wo er die Nacht \u00fcber blieb; und gestern Mittag wurde er dann nach Westervesede geholt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">Ersch\u00fcttert sp\u00fcrt man hinter den kargen Worten des Heimkehrers das Leid der hinter ihm liegenden zw\u00f6lf Jahre. Im Juli 1944 geriet er im Mittelabschnitt der Ostfront in Gefangenschaft und wurde in ein Lager bei Swerdlowsk (Jekaterinenburg \/ Ural) gebracht. Zwei Jahre lang wussten Eltern und Sohn nichts von einander, bis dann Im Herbst 1946 \u00fcber das Rote Kreuz in Berlin die Postverbindung hergestellt wurde. Von M\u00e4rz bis November 1949 n\u00e4chtelang verh\u00f6rt und tags\u00fcber zur Arbeit angetrieben, als Angeh\u00f6riger der Division \u201eFeldherrnhalle\u201c aller m\u00f6glichen nie begangener Verbrechen angeschuldigt, brachte der Gefangene die Kraft auf, standhaft zu bleiben trotz der ewigen Drohung: \u201eDie Heimat siehst du doch nicht wieder, ob du gestehst und die Anklagepunkte unterschreibst oder nicht!\u201c Weil er ein reines Gewissen hatte, unterschrieb er die ungeheuren Vorw\u00fcrfe nicht, die man gegen ihn und alle seine anderen Kameraden erhob. Er wurde trotzdem zuerst zum Tode verurteilt und schlie\u00dflich zu 25 Jahren Zwangsarbeit \u201ebegnadigt\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">W\u00e4hrend der sechs folgenden Jahre im Arbeits- und Straflager bei Swerdlowsk zog er sich bei einem Unfall in den Kohlengruben eine bis heute nicht ausgeheilte Fu\u00dfkn\u00f6chelversteifung und Wirbels\u00e4ulenstauchung zu.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">Endlich schien nach dem Kanzlerbesuch (Adenauer) die Freiheit zu winken. Anfang Oktober wurde ein Transport zusammengestellt. Als der Transport schon auf dem Wege nach Deutschland war, wurde mitten in der Nacht der Zug kurz hinter Moskau gestoppt und von Fahrzeugen mit aufgeblendeten Scheinwerfern v\u00f6llig umstellt. Die Gefangenen wurden in ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager bei Moskau gebracht , das von russischen Frauen belegt war und noch in der Nacht von diesen ger\u00e4umt werden musste. Die Gefangenen durften von hier Briefe und Telegramme nach Hause aufgeben, die jedoch bis heute nicht ankamen. Weitere zwei Monate vergingen, und dann kam endlich der Tag der Freiheit, als der Zug am 13. Dezember in dem Grenzbahnhof Herleshausen einlief.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">Unser Heimkehrer und seine Eltern und Angeh\u00f6rigen freuen sich, da\u00df er wieder daheim ist und seine im letzten Brief vom September ausgesprochene Hoffnung in Erf\u00fcllung ging: \u201eVielleicht bin ich zu meinem Geburtstag im Januar bei Euch\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">Mit dem Heimkehrer und seinen Angeh\u00f6rigen freut sich das ganze Dorf. Um dieser Freude Ausdruck zu geben, wird die Gemeinde ihren Sp\u00e4theimkehrer in einer kleinen Begr\u00fc\u00dfungsfeier am Montag herzlich willkommen hei\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">Die Heimatzeitung ruft dem Heimgekehrten ebenfalls ein \u201eHerzliches willkommen!\u201c zu und w\u00fcnscht ihm ein rasches Vergessen seiner Leiden, eine gute Erholung und Ausheilung seiner k\u00f6rperlichen Sch\u00e4den, die ihm die lange Gefangenschaft eingebracht hat.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"clearer\"><span style=\"font-family: verdana,geneva,sans-serif;\">\u00a0(w.nie)<\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>14.12.1955 Heimkehrer kam nach Westervesede (Schulchronik) Der erste nach 53t\u00e4tiger Unterbrechung eingetroffene Heimkehrertransport aus Russland machte das heimatvertriebene Ehepaar Peter Rosum und Frau am gestrigen Donnerstag zu den gl\u00fccklichsten Menschen in Westervesede. 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